Fit im Kopf durch Bewegung

Aktive Forscherinnen und Forscher erleben Naturwissenschaften und Technik auf spielerischem Weg.

Am 9. und 10. Oktober 2018 fanden in Freiburg im Bürgerhaus am Seepark die zehnten „Tage des Wissens“ statt.

Wieder durften über 1800 kleine Forscherinnen und Forscher Naturwissenschaften und Technik spielerisch erleben.Mit dabei auch die Schülerinnen und Schüler der 2BFW21 und 2BFW22, die selbst konzipierte Workshops für die kleinen Forscherinnen und Forscher durchführten.

Anton will trainieren

Im Foyer fällt er gleich den Organisatoren auf, weil er stolz erhobenen Hauptes an allen vorbeimarschiert und ruft: „Ich bin zum Trainieren gekommen.“ Trainieren? Weiß Anton nicht, dass es heute ums Wahrnehmen, Erleben, Forschen und Experimentieren geht? Seine begleitende Erzieherin klärt auf: Sie hat Anton erzählt, dass er heute beim Workshop „Fit im Kopf durch Bewegung“ teilnehmen darf und - um ihm den Inhalt kindgerecht, bildlich zu erklären -  hat sie sich der Metapher „Training für dein Gehirn“ bedient.

Nun sind doch alle neugierig geworden und folgen Anton zum Stand der Max-Weber-Schule Freiburg. Hier haben die Sportlehrer Larissa Hummel und Laurin Allgeier mit ihren Schülerinnen und Schülern den Workshop vorbereitet.

Während die Kleinen bei einem Aufwärmspiel ihre Scheu vor den Jugendlichen verlieren, lernen die begleitenden Erzieherinnen – in komprimierter Form - die Bedeutung der „exekutiven Funktionen“ kennen.

Bewegung formt das Gehirn

Die Sportpädagogen Hummel und Allgeier erklären: „Die Fähigkeit des Menschen, sein Denken, seine Aufmerksamkeit und seine Emotionen gezielt steuern zu können, ist eine wichtige Grundlage für den Erfolg in der Schule und im Leben. Dieser Fähigkeit zur Selbstregulation liegen die sogenannten „exekutiven Funktionen“ im Gehirn zugrunde, deren Entwicklung erst im Erwachsenenalter abgeschlossen ist. Die Gehirnforschung hat dafür den Begriff der „exekutiven Funktionen“ geschaffen.“ Während die Erzieherinnen das soeben Gehörte noch sacken lassen, sehen sie, wie die Schüler-Tutorinnen und Tutoren der Max-Weber-Schule dieses Wissen in spielerischer Form mit den Kindern umsetzen.

Die Schülerinnen und Schüler teilen den Kindergartenkindern Luftballons aus: blau, gelb, rot, grün. Alle bewegen sich mit einem Luftballon im Feld und treiben ihn vor sich her. Bei Begegnung mit einem anderen, wird der Luftballon durch Zuspiel, getauscht. Bei einem Pfiff oder einem Handzeichen, finden sich die entsprechenden Farben zusammen. Das Geschrei bei Anton und der ganzen Bande ist groß bei der Zusammenfindung. Bei folgendem Fangspiel gibt es Joker. Diejenigen, die als Fänger eingeteilt wurden, müssen versuchen, die zu fangen, die keinen Luftballon haben. Wird man gefangen, so wird man zum Fänger. Die, die einen Luftballon haben sind geschützt und können nicht gefangen werden. Sie sind die Joker. Bei „Hase im Kohl“ werden aus der Gruppe ein Jäger und ein Hase bestimmt. Der Rest der Gruppe verteilt sich im Feld und hockt sich hin. Der Jäger versucht nun den Hasen zu fangen. Der Hase kann entkommen, indem er sich neben einen Kohl hockt. Der Kohl steht auf und wird zum Jäger, der Jäger wird zum Hasen und muss nun selbst weglaufen.
Fängt der Jäger den Hasen bevor dieser sich hinhockt, wechseln die Rollen. Zum Abschluss gibt es immer noch ein „Schere, Stein, Papier“. Die Kinder stehen sich partnerweise gegenüber. Der Gewinner dreht sich um und rennt weg, der Verlierer versucht den Gewinner zu fangen.

Auch beim „Feuer, Wasser, Sturm“ müssen sie blitzschnell akustische und optische Signale wahrnehmen und darauf reagieren.

Die begleitenden Erzieherinnen beobachten das Schauspiel staunend. Manche Kinder sind sofort in der Lage, Signal und Bewegung in unmittelbaren Zusammenhang zu stellen. Einige reagieren verzögert, andere geben schnell auf.

Bewegung macht klug

Nun haben die Erzieherinnen viele Fragen. Welchen Zweck erfüllen die „exekutiven Funktionen“? Warum sollten wir die „exekutiven Funktionen“ bei Kindern schulen? Die Sportlehrer erklären: „Damit Ihre Kinder effektiv und flexibel denken können, müssen zwischen den unzähligen Nervenzellen, die sich im Gehirn befinden, Verbindungen hergestellt werden. Bildlich gesprochen: Es müssen „Datenautobahnen“ aufgebaut werden, damit die gespeicherten Informationen vernetzt, verknüpft und ausgetauscht werden können. Diese Vernetzungen werden beim Erlernen gezielter und gesteuerter Bewegungen insbesondere während der ersten zwölf Lebensjahre aufgebaut. Ob wir schnell und flexibel oder langsam und schwerfällig denken, hängt entscheidend von der Vernetzung der Nervenzellen im Gehirn ab. Diese Fähigkeiten trainieren wir hier.

Die „exekutiven Funktionen“ - Zugang zur Welt

In Sport, so erklärt eine Schülerin , während die Kinder konzentriert auf dem Rasen agieren, haben wir gelernt, dass die „exekutiven Funktionen“ im Zusammenhang mit Schuleignung und schulischen Leistungen stehen. Es gibt verschiedene Formen der „exekutiven Funktionen“:

Das Arbeitsgedächtnis ist für die kurzfristige Speicherung von Informationen zuständig. Es ist wie ein „mentaler Notizblock“. Wir können uns Regeln merken, Kopfrechnen oder neue Erfahrungen mit bereits vorhandenem Wissen verknüpfen.

Die Inhibition (=Hemmung) hilft uns, spontanen Handlungsimpulsen zu widerstehen und Störreize auszublenden. Sie ist unser „mentales Stoppschild“ und sorgt dafür, dass wir bei der Sache bleiben.

Die kognitive Flexibilität ist die Fähigkeit, sich schnell auf neue Situationen einzustellen. Wie bei einer Eisenbahnweiche, die es ermöglicht, eine Fahrt in unterschiedliche Richtung fortzusetzen, gelingt es mittels der kognitiven Flexibilität, frei von eingefahrenen Mustern zu handeln und andere Perspektiven einzunehmen.“

Eine Frage am Schluss

Nun teilen die Schüler-Tutorinnen und Tutoren für die Erzieherinnen noch ein Informationsblatt aus. Die Gruppe versammelt sich zum Abschluss noch einmal und die Kinder dürfen ihre Eindrücke schildern. Verschwitzt, aber glücklich meldet sich Anton. „Was meinst du?“, fragt er die Max-Weber-Schüler, „ob mein Gehirn morgen Muskelkater hat?“ „Nein, Anton, Muskelkater kennt dein Gehirn nicht, aber - wenn du weiter fleißig übst - kann es besser arbeiten und du kannst dich besser konzentrieren.“